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Leitartikel

Frischer Wind im Grand Est

Dieses Jahr steht der Schulanfang im Zeichen der Ungewissheit. Nach Monaten der Zweifel, des Lockdowns, der Krankheit, der Quarantäne, der Wiederbelebung, der Masken, haben wir mehr denn je den Eindruck, auf Sicht zu fahren. Wir treiben auf entfesselten Meeren, die uns nur diese eine Gewissheit zum Luft zu holen lassen: Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben,
mit der ständigen Bedrohung zurechtzukommen.

Ein schneller Blick in die Runde bringt mich zu dem Schluss, dass wir stark gewesen sind. Während unsere 
Region, insbesondere das Elsass und das Departement Moselle, unter hohen Ansteckungsraten litten, haben wir eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit, ja eine außergewöhnliche Resilienz an den Tag gelegt. Schneller als man gucken konnte, haben wir unsere Krankenhäuser in Gefechtsbereitschaft versetzt, die obersten Gesundheitsbehörden alarmiert, damit die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden konnten, unsere Unternehmen bei der Maskenherstellung unterstützt, unsere Labore an den Universitäten in Produktionsstätten für Desinfektionsmittel umgewandelt. Kurz gesagt: Wir, die Bewohner des französischen Ostens, waren disziplinierter, organisierter und pragmatischer als jedwede auf biologische Kampfstoffe spezialisierte Armee. Es liegt mir viel daran, jedem einzelnen von Ihnen, Bürgern, Pflegekräften, Beschäftigten mit Kundenkontakt, Volksvertretern, Mandatsträgern, von Herzen für den von Ihnen unter Beweis gestellten Kampfgeist zu danken.

Angesichts der Ausnahmesituation ist auch die Gebietskörperschaft mit wehenden Fahnen den am stärksten Betroffenen zur Hilfe geeilt, um die notleidenden Unternehmen mittels besonderer Programme, wie dem Prêt Rebond (dt. Darlehen für den Wiederaufschwung) oder dem Fonds Résistance (dt. Widerstandsfonds), zu unterstützen. Dank dieser Unterstützung ihres Cashflows konnten zahlreiche Unternehmen ihre Kreditrückzahlungen aussetzen und so ihre Geschäftstätigkeit und die damit verbundenen Arbeitsplätze erhalten.

Weil wir auch den Ausstieg aus der Krise sehr rasch vorbereiten mussten und die Zeit für den Wiederaufbau knapp bemessen war, lag es uns am Herzen – in Zusammenarbeit mit dem Staat – ein gezieltes Wiederaufbau- und Modernisierungsprogramm für unsere regionale Wirtschaft aufzulegen. Es heißt Business Act und wurde gemeinsam mit allen an unserem Produktionsnetz Beteiligten geschaffen, damit so breit angelegt wie möglich gehandelt werden kann.

Selbstverständlich ist die Wirtschaft nichts ohne die Frauen und Männer, die ihr Leben einhauchen, die 
sie mit Innovationen anreichern, mit Arbeitskraft, mit Ideen, und daher wollten wir uns bei unseren gezielten Programmen sowohl auf eine gute Gesundheit der Arbeitswelt als auch auf das Wohlergehen unserer Mitbürger konzentrieren. Daher wurde im Juni die Conférence Sociale Territoriale (dt. regionale Sozialkonferenz) mit den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden eingesetzt. Dadurch wollen wir die Berufspraxis an die regionalen Besonderheiten anpassen, insbesondere die Lage der jungen Leute beleuchten, die Durchführung lokaler Erprobungen zum Thema Beschäftigung planen.

An dem Ort, der all unseren Mitbürgern gehört, streben wir nach einem noch höheren Ziel. Im Jahr 2020 ist es nicht mehr hinnehmbar, dass eine Gebietskörperschaft wie die unsere öffentliche Maßnahmen erarbeitet, die dem Gemeinwohl dienen sollen, ohne dass jeder Einwohner 
des Grand Est dazu seinen Beitrag leisten kann. Vor diesem Hintergrund wurde die Plattform für Zusammenarbeit 
Ma Région Demain (dt. Meine Region morgen) ins Leben gerufen. Dank ihr konnte während des Lockdowns eine Umfrage durchgeführt werden, um zu ermitteln, wie jeder von uns diese einzigartige Prüfung erlebt hat. Über diesen Zeitraum hinaus soll dieses Instrument von den Überlegungen, Beobachtungen und Ideen genährt werden, die jeder von uns beizutragen hat.

Mittels dieser Anhäufung kleiner Steine werden wir das Gebäude des Wiederaufschwungs bauen.

Der Präsident der Region Grand Est